All Weather Portfolio – Lohnt es sich?

Das ALL SEASONS Portfolio von Ray Dalio – Vergangenheitsbetrachtung und Potential

Analyse von Michael Werlich im Juni 2020

Ich wurde kürzlich von einem potentiellen Mandat darauf angesprochen, dass er jetzt in das „All Season“ – Allwetter Portfolio von Ray Dalio investieren möchte. „Dies hat ja 9 % p.a. seit über 30 Jahren  gemacht und hat kaum bzw. nur geringe Verlustphasen“. Stimmt das so und was heißt dies für die Zukunft.

Wer ist Ray Dalio?

Ray Dalio ist der Gründer von Bridgewater Associates, einem der größten Hedgefonds der Welt welcher Insgesamt ein Vermögen von über 160 Milliarden USD verwaltet. Dieser Fonds hat nachweislich eine durchaus beeindruckende Performance erzielt. Dalio selbst steht auf der Forbes Liste recht weit oben mit einem geschätzten Vermögen von über 18 Mrd. USD. https://www.forbes.com/profile/ray-dalio/#4a7fd2b9663a

Das All Seasons Portfolio wurde von Ray Dalio und seinen Mitarbeitern bei Bridgewater Associates, dem weltgrößten Hedgefonds, entwickelt.

Das Ziel des Portfolios war und ist es eine Asset Allokation zu finden welche in jeglichen ökonomischen Bedingungen eine gute Performance aufweist.

Was enthält das All Seasons Portfolio?

Hier einmal die Eckdaten des Portfolios:

Auf den ersten Blick erscheint der Anteil an Staatsanleihen überproportional hoch, doch studiert man den Entstehungsprozess und den Gedankengang hinter dieser Aufteilung, so liegen diesem logische Schlussfolgerungen historischer ökonomischer Rahmenbedingungen zu Grunde.

Im Backtest, also einer historischen Simulation der Performance der letzten Jahrzehnte ist die Performance sehr beeindruckend.

Der Backtest startet im Jahr 1973 und endet Ende 2016.

Aus 1.000 $, die zu Beginn des Jahres 1973 in das All Seasons Portfolio investiert wurden, wurden Ende 2016 über 4700$! Dies entspricht einer Rendite von 9,3 % p.a. In der heutigen Zeit ein spektakulärer Wert ohne große „Draw Downs“

Welche Renditen sind von diesem Konzept in der Zukunft erwarten?

Offen gesagt bin ich immer überrascht, wie viele Analysten und Portfolio Strategen nicht erkennen bzw. nicht berücksichtigen. was sich gerade in den letzten 10-20 Jahren geändert hat und warum man so ein Konzept nur noch bedingt in die Zukunft projezieren kann.. Wir haben seit 1990 einen kontinuierlich fallenden Zinsmarkt in den USA und auch in allen anderen Industrienationen. Japan hat einen „Nullzins“ schon seit 1995, also seit 25 Jahren.

Fallende Zinsen führen gleichzeitig zu steigenden Kursen bei Anleihen. Genau dieser Effekt hat zu einer „beeindruckenden“ Performance bei Anleihen geführt, die aktuell einen kaum zu steigernden Wert erreicht haben, wenn man höhere Negativzinsen für unwahrscheinlich hält.

Nachfolgend ist die Zinsentwicklung von 30 jährigen Staatsanleihen seit 1990 dargestellt. Die Rendite ist kontinuierlich von 8 %von 1,5 % gefallen.

Zinsen würden hier erst mal zu enormen Kursverlusten führen. In diesem Zusammenhang sei der Begriff Duration erwähnt. Als Faustformel führt 1 % Zinssteigerung zu ca. 15 % Kursverlust.

Vereinfacht lässt sich feststellen, dass die Anlagenklasse der Anleihen als renditebringender Anteil für die mittlere und auch wahrscheinlich langfristige Zukunft (siehe Japan) weggebrochen ist. Wenn man Japan, immer noch weltweit drittgrößte Volkswirtschaft der Welt, als Prototyp für die Zukunft der Kapitalmärkte betrachtet (Demografischer Wandel, Nullzins) wird es auch im Segment der Aktien zunehmend schwerer attraktive Renditen zu erzielen. Der Nikkei hat zumindest seit 1990 eine negative Entwicklung.

Das durch die Niedrigzinsphase selbst die erfolgreichsten Portfolioansätze Performance-schwierigkeiten haben, soll das Beispiel des erfolgreichsten Mischfonds am Deutschen Markt seit 30 Jahren,  Carmignac Patrimoine, verdeutlichen.

NIKKEI 225 von 1990 bis 2020

Seit 1989 bis 2015 hat dieser Fonds, der im Grundprinzip nach dem „All Weather“ Konzept, nur mit ca. 50 % Anleihenquote agiert, hervorragende 9 % p.a. erzielt.

Seit 2015 ist der Fonds allerdings im Minus, weil es selbst für einen führenden weltweit führenden Fondsmanager extrem schwer ist ohne planbare Renditen aus dem Anleihenanteil und bei fundamental überteuerten Aktienindizes, gerade wenn man die Anleger vor Rückschlägen schützen will, eine positive Rendite zu erzielen.

Welche Rendite ist für die Zukunft eines „All Weather Portfolios“ realistisch?

Um diese Frage in einer realistischen Bandbreite zu beantworten, habe ich für jede Anlageklasse eine mögliche realistische Rendite angenommen, die Vergangenheitswerte und realistische Zukunftswerte berücksichtigt. Es wurde ein negatives Szenario (Aktien Performance Zeitraum 2000-2020), ein mittleres Szenario (6 % -also nahezu die langfristig historischen Werte) und ein positives Szenario 8 % p.a. Rendite bei Aktien angenommen. Bei Renten wurden ebenfalls eher „positiv“ realistische Annahmen getroffen. Ebenso bei Rohstoffen, die Goldpreisentwicklung ist keineswegs kontinuierlich, zwischen 1980 und 2005 hat sich in 25 Jahren der Goldpreis halbiert.

Die Tabelle zeigt, dass realistisch 2,5 bis 3,5 % p.a. Rendite mit diesem historisch sehr erfolgreichen Ansatz möglich sind. Selbst bei sehr optimistischen Annahmen sind 5 % p.a. allerdings kaum bzw. nicht zu erreichen. Wenn man dann noch die Kosten (z.B. eines ETF Roboadvisors) berücksichtigt, bleibt nicht mehr all zu viel auf Anleger Ebene übrig.

Fazit:

Selbst historisch sehr erfolgreiche Konzepte sind in der heutigen Zeit nur noch bedingt eine Antwort für Stabilität und attraktive Renditen. Alternativen sind aus meiner Sicht erfolgreiche Wohnimmobilienkonzepte wie IMMOCHANCE, die heute noch systembedingt 5-7 % p.a. nach Kosten erzielen werden. In Kombination mit steuerlich optimierten (50 % Steuervorteil) investmentbasierten Strategien im Versicherungsmantel und damit Zugang zu den erfolgreichsten Anlagestrategien der letzten 3, 5 und 10 Jahre, größtenteils zu Kosten wie ein Institutioneller Großanleger haben ich aber vielversprechende ertragreiche Alternativen im Angebot.

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